Blog zur Lebenskunstphilosophie

Ausschnitte aus dem Seminar Lebenskunstphilosophie als soziologische Praxis an der LMU im Sommersemster 2011

Leben(s)-Kunst-Philosophie – Wenn Leben zum Kunst-Werken wird

Wilhelm Schmid und die Lebenskunst - Präsentation

Hölderlin und das Finden des Selbst - Gedanken 

   

   

Lebens(s)

 

Kunst

 

Philosophie

Ein kurzes Gespräch der Seminarteilnehmer über das Kunst-Werken:

"Der Lebenskünstler macht aus einem ungeformten Leben, wie ein Steimmetz aus einem ungeformten Marmorblock ein geformtes Werk, ein Kunstwerk. Nur ist das Kunstwerk des Steinmetz vollendet, was beim Lebenskünstler nie geschehen wird, da ein Leben erst mit dem Tod vollendet wird."

"Denn die bloße Existenz des Sterbens ermöglicht und begrenzt das Leben zugleich. Ermöglichung, weil es ohne Tod kein Leben gäbe und Begrenzung, weil das Leben durch den Tod nicht unendlich sein kann. Einzig die Existenz des Todes ist relevant - in welcher Form auch immer er nach dem Leben in Erscheinung treten mag."

"Was wohl entscheidend ist, ist die Tatsache des Todes. Aber dessen Gewissheit, Absolutheit und dauerhaftes Drohen soll mir weder die Lust am Leben aus- noch pure Triebhaftigkeit einreden. Vielleicht kann das Rückbesinnen auf den Tod Ehrfurcht vor dem Leben bringen."

"Hier kommt das Moment der Aktivität in schöpferischer Tätigkeit hinzu. Bestimmend sind zwei zusammengehörende und auch entgegengesetzte Momente, eine Dialektik von Gegensätzen, wie wir sie auch in Kierkegaards Anthropologie "Die Krankheit zum Tode" finden: Möglichkeit - Notwendigkeit, Endlichkeit - Unendlichkeit. Der Mensch ist eine Synthese der Gegensätze. Ist er sich hierüber bewusst, kann er schöpferisch tätig werden und sein Leben gestalten."

"Widersprüche, die in Auseinndersetzung mit der Umwelt entstehen, sollen nicht harmonisiert werden, sondern in sich anerkannt werden. Das Ergebnis dieser Arbeit ist letztendlich ein erfülltes Leben, die Einstellung, die hier entsteht ist die Gelassenheit." 

"Hier tritt jedoch die Schwammigkeit der Formulierungen ans Licht, dass jeder Mensch andere Vorstellungen hat, von einem erfüllten Leben. Jeder hat andere Wünsche, Träume, Ziele, die er in Einklang bringen möchte, mit seiner Lebensführung. Für die Verwirklichung eben dieser, vergibt wiederum jeder Mensch individuelle Wertigkeiten und arbeitet somit mit mehr oder weniger Einsatz dafür. Gleiches gilt für die Reflexion. Denn diese finden beinahe alle Menschen in ihrem Glauben - sei es nun in ihrer Religion, in anderen Menschen oder auch in bestimmten Aufgaben."   

"Natürlich sollten wir versuchen so zu leben, wie wir es auch selbst wollen, doch ist es Lebenskunst, wenn man nur noch in seinem Kopf und seinen Gedanken versucht zu leben, zu denken und zu fühlen? Würde man andauernd nur reflektieren und nicht mehr aus dem Bauch heraus agieren, so wäre man gar nicht lebensfähig. Würde sich jeder einzelne von uns nur noch in Selbstreflexion suhlen und baden, wäre niemand mehr fähig zur Nächstenliebe. Man würde das Schicksal des Narziss erleiden und unsere Umwelt müsste mit den Konsequenzen leben, sie ertragen wie die Nymphe Echo." 

"Hier zeigt sich doch schon deutlich, dass die Sorge um sich Selbst im weitesten Sinne sehr wohl von materiellen Dingen abhängt. Und noch einmal zur klugen und vorausschauenden Sorge: Woran wird dieses klug gemessen? Zufälle und Irritationen gibt es in der Planerfüllung nun mal, aber hat man deswegen unklug gehandelt? Es wäre doch schwierig, vor jeder Handlung alle Für und Wider abzuwägen, vor allem wäre man dann überwiegend nur mit dem Philosophieren beschäftigt."

"Wenn das "Was soll ich tun?" im Mittelpunkt steht, dann muss man im Sinne der Lebenskunst fragen "Warum soll ich überhaupt etwas Machen?". Schon in der Antike stellten die Sophisten die Frage nach dem Heraustreten aus der Ohnmacht, also die Frage nach der Macht als existentielle Grundlage. Also hat Lebenskunst auch ein Element der Kritik und der Selbstermächtigung, aus Strukturen herauszutreten."   

"Die Besonderheit des Lebenskünstlers liegt für mich darin, dass er das gegebene Material nicht nur akzeptiert, sondern in ihm das größtmögliche Potential sieht und sich nicht fragt, was möglich wäre, wenn er mit Holz oder Lehm arbeiten könnte. Denn nur dann kann man das meiste aus dem Steinblock als Material und aus sich als Künstler herausholen."

"Als Künstler kann man somit eigentlich freier agieren im Vergleich zum Lebensführenden. Lebenskunst scheint mir also fast als Euphemismus bei nur begrenzten Wahlmöglichkeiten. Wenn man unter Kunst aber das Umgehen mit schwierigen Situationen im Leben meint, so müsste man eher von dem Vermögen sprechen damit fertig zu werden als irgendetwas bewusst zu formen."

"Hier spielt Rhetorik eine große Rolle, da man dadurch in der Lage ist, anderen Menschen den eigenen Lebensstil überzeugend darzustellen und ihn auch bewusst abgrenzen kann. Bevor man dies tun kann ist natürlich die Reflexion über die eigene Lebensweise entscheidend, um sich der Gründe für deren Ausübung bewusst zu machen."

"Aber sind wir wirklich so frei in unseren Gestaltungsmöglichkeiten? Sehen wir unser Leben von Außen, so wie ein Künstler, der vor seinem Gemälde steht? Die Möglichkeit sein Leben zu reflektieren und sich bewusst für den einen Weg oder den anderen zu entscheiden, ist möglicherweise noch keine Garantie für ein efülltes Leben. Das ausschlaggebende ist jedoch, dass die Macht zur Entscheidung, und sei es das Falsche, bei jedem selbst liegt. Diese Eigenständigkeit, die den Künstler auszeichnet, ist jedoch im wahren Leben bis Weilen zu vermissen. Im schlimmsten Fall brechen schwere Schicksalsschläge ein, dann ist es als würde jemand neben uns stehen und einen Eimer schwarze Farbe über unser Kunstwerk schütten."

"Ich bin der Ansicht, dass ein gewisses Mass an Reflexion einem die Art, auf welche man lebt, bewusster werden lässt und einem so ungeahnte Handlungs- und Gestaltungsspielräume eröffnet. Ich denke, damit Menschen sich damit beschäftigen, auch ohne schweren Rückschlag oder eine Krise zu haben. Die Kunst besteht doch daraus, die guten und schlechten Seiten des Lebens wahrzunehmen und anzuerkennen und mit Gelassenheit auf Unerwünschtes zu reagieren." 

"Die Kunstfertigkeit besteht eher darin sich selbst auch als Objekt sehen zu können, das bearbeitet werden kann und muss. Und damit kann man sich eben nicht in eine kosmische Anerkennung des Schicksals fügen und wird in gewisser Weise der Eigenverantwortlichkeit verpflichtet. Ich arbeite an meinem Selbst, aber nicht nur um des Selbst willen, sondern auch in Hinblick auf die Umwelt und die daraus resultierende Kultur der Lebenskunst. Und das ist wohl die Erkenntnis: Wer sich in einer solchen Kultur bewegt, wird Mittel und persönliche Möglichkeiten haben sich damit zu beschäftigen. Und dann ist Lebenskunstphilosophie ein normaler Prozess des menschlichen Daseins."

"Für Schmid ist die Lebenskunst als solche mit dreierlei verbunden: Möglichkeit, Anstrengung und Reflexion. Die Möglichkeit bildet gewissermaßen die Voraussetzung, das Set an Handlungsmöglichkeiten, das überhaupt besteht. Die Reflexion wiederum bildet das Werkzeug des Lebenskünstler, nur durch dauerhafte Reflexion der eigenen Möglichkeiten, des konkreten Handelns und der darüber hinaus gehenden Ziele kann das Leben als Kunst geführt werden. Hierin manifestiert sich der dritte Begriff: Lebenskunst ist wesentlich mit Anstrengung verbunden, sie ist Arbeit."

"Als ich gestern nach Hause gefahren bin, stand mir im Marienplatz-Untergeschoß der mir bekannte BlSS-Verkäufer gegenüber. Auf der Titelseite war ein älterer Mann mit Baskenmütze zu sehen, darunter stand in großen Buchstaben „Überlebenskunst". Ich kauftemir die Ausgabe nicht nur deshalb, weil ich es öfters tue, sondern auch weil ich mir dachte das Thema wäre interessant für unseren Kurs. Im Inneren des Heftes war beschrieben, dass der Herr aus einer eigentlich gefestigten Lebenssituation beinahe zu einem Obdachlosen wurde. Der einzige Grund wieso er nicht auf der Straße leben musste war, dass er immer Freunde hatte auf die er sich verlassen konnte. Er wurde also von einem Tag zum anderen ein Überlebenskünstler."

 

Ästhetische Existenz: Technologien des Selbst bei Foucault

Foucault und die Techniken des Selbst - Präsentation

Nietzsche: Menschen sind bereit, nahezu alles zu ertragen, wenn sie wissen warum.

Foucault: Was muss man über sich selbst wissen, wenn man bereit sein soll, auf irgendetwas zu verzichten? 

Selbstsorge

   

Macht und freier Wille

   

Kunst des Leben

Foucault als Philosoph des horizontalen Exis-
tenz-Stils darzustellen ist darum wohl eine grobe Verzerrung.
Vielleicht ist es fruchtbarer, wenn man ihn – wie es Peter Sloterdijk in seinem Werk Du mußt dein Leben ändern getan hat – als vertikalen Philosophen beschreibt. Das bringt zwar andere
Probleme mit sich, ist aber zumindest mit Foucaults selbsttituliertem „Nietzscheanismus“
vereinbar.

Die Beschreibung als Selbsttechniken erscheint mir vor allem im Bezug auf das Christentum eher als eine „fremde Selbsttechnik" als eine Selbsttechnik, die vom Individuum ausgeht. Allerdings fällt es mir schwer, das Individuum dabei nur als passiv zu sehen. Unabhängig davon, ob die Selbstaufgabe und der Verzicht letztlich auf eigenen Willen erfolgen - denn dies erfolgt wohl in den meisten Fällen auf Grund mangelnder Alternativen und nicht auf Grund von Einsicht.

Es erinnert mich eher an die heutigen Vorstellungen einer Psychotherapie oder aber auch einer Entzugskur, in der man einfach Zeugnis über sich selbst ablegt.

Mit „Selbstsorge" sind vor allem Gelassenheit und Selbstreflexion gemeint, welche Foucault frei nach Antiken Philosophen wie Seneca, Epiket und Marc Aurel aufgreift. Die Stoiker waren der Auffassung, dass ein jeder Bürger dazu verpflichtet sei, sich in erster Linie um sich selbst zu kümmem, um sich im Gegenzug um andere kümmem zu können.

Ist das heute auch noch so? Kann ich die Techniken wie Gewissensforschung, Meditation und Askese, die die Griechen zur Selbsterkennung benutzten noch so emfach anwenden? Oder sind wir alle schon in einem solchen Macht- und Herrschaflsraum gefangen, der uns alle in unserem Tun und Handeln einschränkt? Stellt die Gesellschaft an uns Erwartungen, denen wir fast schon gerecht werden müssen?

Nach dem Poststrukturalismus, der besagt dass es keine stabilen Subjekte gibt, stellt sich auch die Frage ob es somit eine stabile Identität geben kann und weiterhin ob deren Entwicklung dadurch eine so wesentliche Forderung an das Selbst ist.

Ein bedeutender Beitrag im Zusammenhang mit dieser Aussage ist aus meiner Sicht „Das obszöne Werk" Georges Batailies, das auch Foucault maßgeblich beeinflusste. Hier werden Tabuthemen innerhalb der Bereiche Tod, Gewalt, Sexualität und Wahnsinn in Kurzgeschichten über den Exzess ans Licht gebracht. Der Leser bemerkt bei schockierender Lektüre die eigene bereits gezogene Grenze und wagt vielleicht die Grenzüberschreitung, indem er sich mehr als nur lesend, sondern auch reflektierend auf dieses radikale Buch einlässt.

 

Die Frage, die sich hier allerdings stellt ist, inwiefern es dem Individuum möglich ist, sich mittels der Selbsttechniken über den Machtraum hinweg zu setzen. So erscheinen auch Techniken der bewussten Abgrenzung zur Macht immer in Relation zu dieser zu stehen. Jede Form der Abgrenzung richtet sich somit immer nach den von der Macht erzeugten Bedeutungen und Diskursen In einem bestimmten Feld.

Die Idee des Panoptismus finde ich nachwievor sehr spannend. Meiner Meinung nach geht die heutige Gesellschaft aber teilweise schon darüber hinaus: Man wird nicht mehr in klar definierte Räume gepackt, In denen man sich durch das Bewusstsein der Möglichkeit des Überwachtwerdens selber kontrolliert, sondern man präsentiert sich freiwillig zur Beobachtung. Diese Form des Persönlichkeitsexhibitionismus sieht man ja vor allem auf Facebook. Es scheint, dass für viele Leute ihre Erlebnisse, Entscheidungen und Gedanken nur dann von Wichtigkeit zu sein scheinen, wenn sie über solche Kanäle wie Facebook mit der ganzen Welt geteilt werden können.

Es stellt sich die Frage, ob Lebenskunst überhaupt möglich ist und falls ja wie? Es wurde festgestellt, dass ein ästhetischer Lebensentwurf zwar nur innerhalb dieser Strukturen möglich ist - und auch dann nur, wenn einem der Machtbereich, innerhalb dessen man sich bewegt bewusst ist. Dazu fällt mir der „Aussteiger“ ein. Er versucht sich der Gesellschaft und ihren Zwängen abzuwenden, befindet sich mit dieser Geste aber immer noch im Machtbereich der selbigen. Erstens, da eine Norm immer automatisch ihre eigene Kritik produziert. Aber zweitens noch vielmehr deshalb, weil der „Aussteiger“ konkret durch seinen anti-gesellschaftlichen Lebensstil ein Bild ist für die vielleicht geheimen Sehnsüchte der normorientierten Mehrheit, eine art theoretischer Fluchtpunkt, der die Möglichkeit eines anderen Lebens abbildet und damit beruhigend auf die normorientierten wirkt. Deshalb einmal mehr systemerhaltend.

Geistlos gesprochen sind wir auch bereit Unmengen an Geld auszugeben für Beratungsinstanzen, die einem sagen, wie man zu Denken, zu Sprechen, sich zu Verhalten, ja gar zu Fühlen hat, solange wir uns darauf selbst nicht wirklich einlassen müssen und nur damit beschäftigt sind den Lernprozess uns anzutrainieren. Da wundert es einen nicht, dass vermeidungsstrategisch man sich wieder beraten lässt zu seinen Zielen und Wünschen, die man doch selbst am besten wissen müsste.

Immer noch würde mich interessieren, ob man sich nicht doch irgendwo oder irgendwie gänzlich allen Herrschaftsräumen, beziehungsweise Herrschaftsverhältnissen entziehen kann...

 

Es ist nicht wie Foucault fordert nur die Sorgfalt um die Seele, sondern heute bezieht es auch den Körper mit ein. Denn auch der Körp^per kann ein Spiegel der Seele sein, was sich in allerlei psychischen Krankheiten zeigt. Darüberhinaus kann auch durch körperliche Ertüchtigung ein seelischer Ausgleich sein.

Während man früher zur Selbstsorge die Selbsttechniken verwandte, benutzt man heute andere Methoden. Zu den Selbsttechniken zählen Briefe an Freunde, die Enthüllung des Selbst, der Akt des Erinnerns und die Traumdeutung.Ich denke heute benutzen die Menschen unter der Absicht der Sorge um sich selbst weitaus andere Techniken. Sie versorgen sich mit gesunder Nahrung, treiben Sport und nehmen sich Zeit für Erholung. Gedanken an die Vergangenheit verschwendet kaum noch jemand, sie Ist ja eh schon vorbei.

Ich denke genau hier liegt Foucaults äußerst genialer Streich: er vermag es Einen aufgrund seiner theoretischen Konstrukte zum Nachdenken anzuregen - zum reflektieren über uns selbst. und damit vielleicht auch dazu kritischer zu werden in unserem Tun.

Die Welt der Gegenwart ist überflutet von akustischen, visuellen und fühlbaren Informationen, Zuschreibungen, kritischen Aussagen, sowie hilfreichen und weniger hilfreichen Hinweisen über das Leben. Über das Sprechen gibt man sich selbst eine Identität, die auf Lügen oder Wahrheiten beruhen kann und durch das Hören/ Lesen von Ausführungen anderer verändert man die eigene Handlung. Man normiert sich also und passt sich an die Mehrheit an bzw. lehnt sie ab.

Hier stellt sich jedoch die Frage, nach den Gehörlosen bzw. Stummen. Obwohl Gebärdensprache als natürliche Sprache definiert wird, wird sie doch als Minderheitensprache angesehen; Taubblindheit gilt gar als Sinnesbehinderung.

Kann so schlussgefolgert werden, dass Menschen, die „Herr ihrer Sinne“ sind und keine Behinderung haben, die Realität besser wahrnehmen können? Was ist „besser“? Oder ist es nicht vielmehr so, dass es die Behinderten sind, die durch ihre ausgeprägte Sinneswahrnehmung die Wirklichkeit auf eine vielschichtigere Art und Weise erfassen können – was den gesunden Menschen letztlich verborgen bleibt?

Jeder einzelne muss sich Fragen stellen und Antworten suchen, vielleicht liegt darin die Individualität des einzelnen und vielleicht hat Michel Foucault genau das versucht zu sagen.

 

  

Wir Lebenskünstler: Übermenschen oder Individualisierungsopfer?

Individualisierung, Lebenskünstler und Übermenschen - Präsentation

"Da „Revolutionen" oder die ständige Umwälzung der äußeren Strukturen in unsererer Zeit ein permanenter Zustand sind, ist es nach Bauman unser universelles Schicksal, Lebenskünstler zu sein (vgl. Bauman 2010, S. 92 ff.). Es ist also mehr ein Zwang als eine selbstgewählte Entscheidung. In ein ähnliches Hom bläst auch Beck, wenn er für die Individualisierung die Dimensionen der „Freisetzung", „Entzauberung" sowie der „Kontroll- und Reintegration' entwickelt (vgl. Beck 1986, S. 206). Es scheint so, als wäre der Mensch in der Postmodeme gezwungen, sich als Einzelkämpfer durch eine chaotische Welt schlagen zu müssen, in der jegliche kollektive Sicherheit und Selbstverständlichkeit aufgelöst oder nur von kurzer Dauer ist."

"In diesem Zusammenhang ist mir ein Zitat von Arthur Schopenhauer wieder in den Sinn gekommen, das das Handeln anderer und das Schicksal in die Lebensgestaltung mit einbezieht. Schopenhauer beschreibt die Lebensgestaltung eher als eine Art Pokerspiel: „Das Schicksal mischt die Karten, wir spielen."

"Da die flüchtige Moderne von ständigen, unübersehbaren Wechselfällen des Schicksals bestimmt ist, die der einzelne Mensch unmöglich überblicken kann, lohnt es sich nach Bauman nicht mehr einen langfristigen Lebensplan zu erstellen. Stattdessen denken die heutigen Menschen in extrem kurzen Zeitintervallen, von denen sich jeder einzelne unmittelbar lohnen muss und nicht nur im Dienste einer besseren Zukunft stehen soll."

"Trotz dem schnellen Wandel der heutigen Zeit ist es möglich seinen Traumberuf zu erlernen. Ein guter Freund von mir beispielsweise wollte schon immer Arzt werden und hat dies nun in die Tat umgesetzt. „Statt unser Handeln von Zielen motivieren und bestimmen zu lassen, suchen oder konstruieren wir unsere Ziele erst nachträglich, wenn ein Ereignis abgeschlossen ist (Bauman, S.123)." Wie darf man diesen Satz verstehen? Ich kann mir nicht vorstellen nach einem eingetretenen Ereignis zu behaupten, dass dies mein Ziel gewesen sei. Ich bin der festen Überzeugung, dass mein Handeln hauptsächlich durch Ziele motiviert wird. Auch wenn das Hauptziel nicht immer direkt erreicht werden kann, untergliedern wir es nicht auch in Etappenziele, die wir Stück für Stück erreichen können?"

"Der erweiterte Handlungsspielraum der heutigen, modernen Lebenswelt mit all ihren neuen Wahlmöglichkeiten kann auch eine „innere Heimatlosigkeit" zur Folge haben, da immer mehr Bindungslosigkeit auf den verschiedensten Ebenen möglich ist, was natürlich unter Umständen psychische Folgen wie zum Beispiel Versagensangst haben kann. Trotzdem wird auch von dem Durchschnittlichsten verlangt sein Leben selbst zu gestalten und zu fuhren."

"Es kommt zu einer zunehmenden Fremdheit gegenüber der Gesellschaft, vermehrten Einzelkämpfer-Mentalitäten und Konkurrenzdenken, aber auch zu einer zunehmenden Fremdheit sich selbst gegenüber. Anders lasst sicn, so denke ich, die wachsende Unsicherheit einzelner Menschen nicht erklären. Wer geht denn heute noch einer Einladung in eine Bar, ein Cafe oder ein Restaurant nach, ohne sich vorher im Internet über die Location informiert zu haben? Was steht auf der Speisekarte? Wie komme ich dorthin? Wie lange ist dort geöffnet? All das sind meiner Meinung nach deutliche (Hilfe-)Schreie nach mehr Sicherheit, noch drastischer formuliert: nach mehr Vorgaben, Strukturen und Regeln, an die man sich zu halten hat."

Aber wie soll man einzigartig sein, wenn man doch nur auf die in der Gesellschaft bereits vorhandenen Mittel und Wege zur Gestaltung des eigenen Lebens zurückgreifen kann? Die Wahl von einigen dieser bestehenden Möglichkelten hat also nichts Individuelles. Aber was ist dann Individuell? Der Begriff des Übemenschen ist hierauf bezogen sehr interessant. Ein Idelal, ja ein geradezu unerreichbares ideal. Vergleichbar damit, dass es dem Menschen auch nicht möglich Ist, den Stand der vollkommenen Individualität zu erreichen."

"Muss man sich andauernd und erneut selbst erfinden, nur um individuell zu sein? „Wer sich stets verändert bleibt sich selber treu," scheint die Devise zu lauten, nur was wennes bloß ein Verdrängen eines Credos ist, welches lauten könnte „Ich bin, wer ich bin"? Läuft der Mensch vielleicht vor sich und seinem selbst weg, nur um sich selbst nicht erkennen zu müssen? Wahrscheinlich ist die einstig über dem Tempel des Apollon in Delphi thronende Inschrift „Nosce te ipsum!" den meisten modernen Menschen weniger ein Lebensmotto, als ihnen lieb ist."

"Darüber hinaus stellt sich ein weiteres Problem, das mit dem Begriff Individualisierung verknüpft ist. Eine interessante Bemerkung eines Seminarteilnehmers bezog sich darauf, dass ein Gefühl von Individualität dadurch kreiert wird, dass bei der Entscheidungsfindung Einzelner davon ausgegangen wird bzw. darauf fokussiert wird, dass es sich eben immer um individuelle Entscheidungen handelt. Natürlich ist die Trägerschaft der '.ntscheidung (sofern nicht erzwungen) direkt dem jeweiligen Subjekt zuzuordnen. Doch immer noch gibt es einige Traditionsrelikte, gibt es eine gewisse „Konditionierung" durch die Sozialisation etc. Inwiefern es bei den heutigen Entscheidungen demnach einen Zuwachs von Individualität geben sollte, ist keineswegs offensichtlich."

"Es scheint tatsächlich so, als ob man heutzutage dazu gezwungen ist, die Ideen und Ansichtsweisen seiner Eltern anzuzweifeln und zu hinterfragen. Wir kamen im Endeffekt im Seminar auf die Frage, ob man individualisiert sein muss oder sein kann. Ich denke dem Zwang des .Andersseins" kann man nicht mehr entweichen, was auch daran liegen mag dass hinter der Individualisierung eine ganze Industrie steht. Bei jedem Kauf eines Produkts entscheidet man sich schließlich auch für das dazugehörige Image."

"man kann sehr leicht opfer der konsumgesellschaft werden, wenn man sich der individualisierung ohne der nötigen Verantwortung zur reflexion aussetzt, opfer In dem sinne, als das man der wird, den andere in einem sehen, wo früher lebensplanung leicht war, da man nur bestimmten Orientierungspunkten folgen nnusste, steht in der modernen weit der neurotischen revolutionsattitüde, der ewigen avantgarde, der mensch vor endlosen regalen, voll mit identifizierungsmöglichkeiten. ein ständiger kostümwechsel bereitet ein, an der gegenwart ausgerichtetes lebensglück. vorsicht also, vor dieser ideologie die freiheit in gefangenschaft erlaubt."

"Wenn ich dabei nun allerdings wieder an die foucaultschen Selbsttechnologien denke, gestaltet sich das Problem der Individualität wiederum schwieriger als bisher schon. Im Grunde genommen lohnt sich das Nachdenken über die Frage 'Wie individuell bin ich?' wahrlich nur zum Selbstzwecke und dann auch lieber nicht allzu oft, ansonsten brauche ich schnellstens vor lauter Überforderung mit meiner Individualisierung eine Couch. Und unter welche Fremdtechnologie begebe ich mich eigentlich dann wieder?"

"Zygmunt Baumann erkennt in seinem Text an, dass im Gegensatz zu Foucaults Sicht, wir einem Schicksal unterliegen, das uns zwingt, von einem „Ich will" auf ein „Ich muss" umzuswitchen. Er konstatiert vollkommen richtig, dass die Ungewissheit unser ständiger Begleiter ist. Jedoch halte ich diese Ungewissheit eher für ein hausgemachtes Problem der heutigen Gesellschaft: natürlich kann sich Jeder individualisieren, jedoch nur bis zu einem gewissen Grad, danach kann und muss er sich des gegenwärtigen Konsumstrebens hingeben und daran teilhaben und sich darüber individualisieren."

"Interessant erscheint nun v.a. die Frage, ob diese Individualisierung freiwillig oder vielmehr etwas dem Individuum aufgezwungenes ist. Die Süddeutsche Zeitung enthielt am 24.05.2011 einen Artikel mit der Überschrift „Der Zwang, ein Ich zu sein". Demnach erwächst neuerdings ein Unbehagen in der Gesellschaft. Unbehagen hin oder her - das scheint es in Gesellschaften schon immer gegeben zu haben. Während früher dieses Unbehagen jedoch in der Triebunterdrückung oder der scharfen Regulierung des Menschen begründet lag, ist heutzutage gerade das Gegenteil Ursache des Unbehagens, nämlich die Selbstbestimmung und der Zwang in Lebenssituationen selbst handeln zu müssen. Vom Individuum wird erwartet aus dem eigenen Leben ein Kunstwerk zu machen.Allerdings ist der Künstler hierbei nicht notwendigerweise ein freier, denn wurde ein Individuum jemals danach gefragt, ob es überhaupt ein Künstler sein will?"

"Lebensglück durch die bewusste Gestaltung des eigenen Lebens zu erreichen scheint immer mehr die höchste Priorität eines erfüllten Lebens darzustellen. Nicht mehr allein die Freude an einzelnen Glücksmomenten zählt, sondern das große Ziel ist das Lebenglück in allen Lebenslagen. Ist dies nicht auch eine Reaktion auf die Unberechenbarkeit von Ereignissen? Was wenn man dieses Lebnsglück nicht überall erreicht oder es nicht schafft sich selbst zu verwirklichen und dadurch auch wiederum Glück zu erfahren?Es ist den meißten Menschen vermutlich einsichtig, dass sie die Lebensgestaltung nach Vorbild eines Übermenschen in der Realität nicht umsetzen werden können und das so ein Mensch auch nicht existieren kann. Trotzdem übt dieser Begriff des Übermenschen einen gewissen Reiz zum Nachdenken aus, denn wer möchte denn nicht sein Leben so entfalten können wie man es sich vorstellt und dabei Werte und Normen schaffen die diesen Lebensstil ermöglichen und die Individualität sichern. Ob dies dann aber zu mehr Lebensglück führt ist natürlich die Frage."

 

                  

Übermensch

oder

Individualisierungsopfer

Die McDonaldisierung der Lebenskunstberatung : Reflektionen auf die Beratungsgesellschaft

Reflexive Moderne, Nicht-Wissen und Expertendilemma - Präsentation

Der normative Blick:

Auf der Suche nach einem richtig geführten Leben stolpert der gegenwärtige Mensch nicht selten über die Lebensführungsdoktrin dieses Globalisierungserfinders schlechthin: EFFIZIENZ, BERECHENBARKEIT, VORHERSAGBARKEIT und KONTROLLE. Kalter Ekel erfasst mich beim reflektieren über diese way-of-life Utopie unserer Zeit und ich muss immer an einen amerikanischen Soldaten aus dem 2. Golfkrieg denken, der sich bei einer Außenstelle von McDonalds in Saudi-Arabien noch schnell zwei Cheeseburger genehmigt (ohne Gegenfrage), bevor den Erdöl-Wüstenbrüdern von Kuwait gegen die Saddam-Chaoten aus dem schönen ehemaligen Persien geholfen werden muss, damit diese vorzeitlichen Zeltvölker ein bisschen mehr Zivilisation zu spüren bekommen. Aber ich schweife ab. Diese vier Begriffe, die für MC Donalds, für die Globalisierung, für die westliche Welt und für den Fortschritt, der sich spätestens im Sieg gegen die rote Burschenschaft aus Sibirien 1990-1992 manifestiert hat, stehen, können ein Weg durch das Leben sein. Die Wirtschaft und die westliche Gesellschaft stehen zumindest drauf und in der zweiten bis x-ten Welt versuchen die mehr oder wenigen freien Bürger alles, um der nächste Global-Player-Aufsteiger zu werden und nicht in der Wirtschaftswachstumsrelegation durchzufallen.Was kann ein lebenskünstlerisch orientierter Mensch oder ein Student, der sich in einem entsprechenden Kurs zur Lebenskunst über Dieses und Jenes Gedanken macht, mitnehmen? Naja, wenn man das Risiko scheut, im Leben eigene Schritte zu gehen und zwischendurch mal Fehler zu machen, stehen zu bleiben oder sogar umkehren zu müssen, DANN muss man sich wenigstens nicht anstrengen, weil diese vier amerikanischen Lebensnormen an jeder Straßenecke beliebt sind und praktiziert werden. Das soll heißen, ein Lebenskünstler kann damit wohl nichts anfangen, weil dieser Typus Mensch eher wie ein grüner Öko-Engel gegen die Umweltverschmutzung der Persönlichkeit selbstbestimmt, frei, zufrieden und ruhig sein Leben lebt und nicht biographieabhängig die Zielvorgaben der Erfolgsgesellschaft unserer Tage verfolgen will.

Ich sehe den Zusammenhang noch am ehesten unter dem Punkt Effizienz, da es heutzutage als eher lästig erscheint, sich wirklich mit sich selbst und seinem Leben auseinander zu setzen. Es wird eher auf Bücher, Lehrmethoden und Schulen gesetzt, die schnelle Erfolge versprechen, ganz nach dem Motto „Ändere dein Leben in nur 10 Minuten pro Tag". Diese Tendenz passt allerdings in das heutige gesellschaftliche Schema, das alles schnell und höchsteffizient ablaufen muss. Smartphones machen Kommunikation von unterwegs möglich, man kann alles mit seinem Computer synchronisieren, um möglichst effektiv arbeiten zu können. Sämtliche Diäten die angepriesen werden, werben mit „sichtbaren Erfolgen" in ein bis zwei Wochen. Auf die Spitze getrieben hat dies zum Beispiel der amerikanische Autor Tim Ferriss, der in seinem Buch „The 4 hour body" seinen Lesern verspricht, innerhalb von 28 Tagen Unmengen an Körperfett abzubauen und Muskeln aufzubauen, solange sie dem strengen Diätplan folgen. Dieser beinhaltet einen Speiseplan, der praktisch alles außer Bohnen, Linsen, Eiern und Fleisch ausschließt, den man durch einen zusätzlichen Hormoncocktail erweitern kann. Ferriss geht es ausschließlich um das Ziel und nicht um den Weg dorthin. Und dies scheint die Regel für alle Ratgeberprogramme zu sein, die man selbst zuhause anwenden kann.

Der nicht-wissende Blick:

Zu unterscheiden sind zu Beginn einmal das unerkannte Nichtwissen und das intendierte Nichtwissen. Bei ersterem handelt es sich darum, dass man nicht einmal darüber im Bilde ist, dass man etwas nicht weiß. Diese Art von Nichtwissen sehe ich nicht als problematisch an, da man ja wie erwähnt praktisch keine Ahnung von etwas hat und dies sich auch kaum ändern lässt. Bei letzterem bin ich nicht sicher, ob ich es richtig verstanden habe. Geht es hier darum, dass man sozusagen weiß, dass oder sogar auch was man nicht weiß? Oder ist hier gemeint, dass man etwas bewusst nicht wissen will? Wenn dies der Fall ist, sehe ich hier eine schlummernde Gefahr wie aber auch eine Chance. Eine Gefahr deshalb, weil durch neues Wissen Katastrophen vorgebeugt oder Systeme jeglicher Art verbessert werden könnten. Die Chance liegt jedoch darin, dass der natürliche Lauf der Dinge und des Lebens nicht unterbrochen wird, sondern welter bestehen kann.

Eine Entscheidung beruht immer auf zwei identischen Alternativen. Davon ist kerne besser oder schlechter, denn sonst müsste der Mensch sich nicht entscheiden, sondern würde einfach die bessere Alternative wählen. Das Entscheidungsparadox beruht jedoch auf der Tatsache, dass es mindestens zwei gleichwertige Alternativen gibt. Durch z.B. den Rückgriff auf frühere gefällte Entscheidungen entwickelt man schließlich eine Präferenz fiir eine der Alternativen und fällt seine Entscheidung. Anhand dieses Paradoxes zeigt sich, m welcher Unsicherheit der Mensch heute lebt. Das Nicht-Wissen bestimmt immer mehr das Leben des Menschen. Auf der anderen Seite muss sich der Mensch heute viel mehr als noch vor einigen Jahrhunderten über seine Entscheidungen identifizieren und die Entscheidungen, die er während seines Lebens trifft, werden immer wieder auf ihn zurückgeführt. Auf der anderen Seite gibt es immer mehr Unwissen bzw. Nicht-Wissen, was bewdrkt, dass der Mensch immer weniger die Chance hat, sich fiir die bessere ihm zur Auswahl stehenden Alternative zu entscheiden. Dies bedeutet wiederum, dass man heute viel öfter falsche Entscheidungen trifft, da sich die Qualität der getroffenen Entscheidung auch erst in der Zukunft feststellen lässt.

Es stellt sich hierbei natürlich die Frage, ob die Flut an Ratgebern in Bezug aut eine glückliche Lebensführung durch Anleitungen zur Lebenskunst, dieser Ungewissheit entgegenwirken können. Ist denn mehr Wissen in Bezug auf die eigene Lebensführung wirklich förderlich? Ist der Umstand des Nicht-Wissen (Könnens) nicht vielleicht doch ganz nützlich? Im Hinblick auf die menschliche Existenz könnte man von einem reflektierten Nicht- Wissen sprechen, man weiß dass man nicht genau weiß was der Sinn hinter der eigenen Existenz ist und somit ist es wiederum Lebenskunst mit diesem (auch erschreckenden) Wissen über das Nicht-Wissen das eigene Leben zu leben.

Die Expertenflut:

Ulrich Beck spricht von einer modernen Nichtwissensgesellschaft, die durch mehr und bessere Wissenschaft erzeugt wird- hierbei stellt sich allerdings die Frage, ob wir denn Immer von allem und über Alles Bescheid wissen müssen?! Natürlich Ist es gut, zu wissen wie man respektvoll mit der Natur, seiner Umwelt etc. umgeht. Jedoch finde ich, dass man z.B. nicht wissen muss, wie ein Atomkraftwerk funktioniert, das sollten dann doch die richtigen Experten „machen", genauso wenig "lochte ich wissen, wie ein Gehirntumor am besten operativ entfernt werden kann. Dennoch ist es wichtig, dass diese echten Experten, die sich jeden Tag mit ihrem Themengebiet auseinander setzen, es gelernt haben und es wahrscheinlich im Schlaf beherrschen, die Menschen über die von Beck genannten „Nebenfolgen" ihrer Gebiete aufklären, insofern eine mögliche Bedrohung besteht (siehe Atomkraftwerke und Supergau). Wobei hier eine verstärkte kritische Betrachtung der Berichterstattung In den Medien von hoher Bedeutung ist- hier stellt sich mir eigentlich die Frage, was die Medien von aufgebauschten oder falsch wiedergegebenen Aussagen der Experten haben(abgesehen von der Zeitung und ihren Verkaufszahlen)?!

ich vermute aber, dass das alles nur halb so wild ist. der boom von ratgeber literatur ist meiner ansieht nach auf kontroJIwahn, vorsorgezwang und konsum habitus zurückzuführen (als ob das nicht schon schlimm genug wäre), in diesem sinne trifft die mcdonaldisierung (wie sie in viele bereiche des lebens einzug erhalten hat) wohl zu. bei mcdonalds zu essen ist zwar ein komisches verhalten, heisst aber immerhin noch essen, ratgeber zur lebenskunst oder Problemlösung zu konsumieren, wird ebenso von mancher seite belächelt, das ein aufrichtiges Interesse an lebenskunst jedoch besteht, würde ich nicht bestreiten, ausserdem ist diese art von lektüre oft leicht verdaulich und schon allein das gefühl, das dabei aufkommt, dass meine Probleme die probleme von vielen tausenden sind, beruhigt, ich glaube die wenigsten menschen lassen sich ernsthaft auf die allheil-methoden der fleissigen Schreiberlinge ein.

Mc Donalds im Blick:

Denn auch auf McDonalds lassen sich die Unterscheidungen zur reflexiven Modernisierung beziehen: 1. Die Wissensagenda öffnet sich: Angaben zu Inhaltsstoffen, Nährwerten etc. sind heute in den Filialen vom McDonalds durchgehend präsent; wenngleich nicht immer sofort erkenntlich, so aber stets mit dem Hinweis versehen, dass diese beispielsweise über die Internetseite des Konzerns leicht abrufbar und in Erfahrung zu bringen sind. Man könnte wissen, wenn man wollen würde. Aber will man? 2. Das Nicht-Wissen-Wollen: Die Information, dass ein Burger in der Regel ohne Getränk und Beilagen für die meisten Menschen bereits ein Viertel des Tagesbedarf an Kalorien deckt, steht nicht ohne Grund nicht direkt auf der Verpackung, sondern erfordert Recherche, die wiederum Zeit und Anstrengung in Anspruch nimmt. Und Zeit ist knapp. Und Anstrengung kann und muss auch anderweitig aufgebracht werden. Also will man vielleicht auch gar nicht wissen. Abgesehen davon hat man gar keine Zeit und das Leben ist ohnehin anstrengend genug.

Nicht zuletzt aber ist McDonalds ein wunderbares Beispiel für den paradoxen Steigerungseffekt von Nebenfolgen durch Nicht-Wissen, die Ulrich Beck in seinem Text am Beispiel des Waldsterbens erläutert. Nicht anders verhält es sich mit McDonalds: die Nebenfolgen in Form von jundheitlichen Auswirkungen (und dabei muss es sich noch nicht einmal um die gravierenden Auswirkungen wie Übergewicht und daraus resultierenden Erkrankungen handeln, die sowieso nicht direkt beobachtbar sind oder auf Grund von gelegentlichem Konsum entstehen, sondern kann auch „harmlosere" Bereiche betreffen, wie zum Beispiel das schnell wiederkehrende Hungergefühl nach einem Essen bei McDonalds, das wohl nahezu jeder kennt) sind bekannt, stoppen die McDonalds-Besuche aber nicht. Trotz besserer und vermehrter Information über McDonalds-Produkte, Inhaltsstoffe, Nährwerte, ... (allgemein also Wissen) ist eine tendenzielle Zunahme von McDonalelds-Besuchen zu beobachten. Man weiß um die eigene Selbstgefährdung; dieses Wissen ist gewusst und anerkannt. Die tatsächliche Gefährdung der Gesundheit hört ebenso wenig auf, wie das Waldsterben, wenn man es nicht wissen will.

Freud freut`s: Der Boom sozio- und psychotherapeutischer Beratungen

Zur Psychopathologisierung des Lebens - Seelenkrankheiten als Leiden am Leiden - Präsentation 

Pro

   

Neutral

   

Contra

Eine Wichtige Frage, die es zu klären gilt, ist die Frage nach dem Gegenstand der Therapie. Offiziell besteht dieser im .Aufheben vom Leid der Patienten. Doch bereits hier stellen sich erste Fragen - z.B. ab wann Leid überhaupt besteht und wie dieses verfasst sein muss oder ob es für alles Leid eine gemeinsame Ursache gibt. Hieran schlieilt sich auch die Frage an, ab wann ein Zustand des Leidens derart ausgeprägt ist, dass er der Behandlung bedarf. Die Psychotherapie behilft sich in dieser Frage mit relativ einfachen Klassifikationssystemen, die bestimmte Störungsbilder klar definieren. Von Seiten der Philosophie wird hier immer wieder Kritik geübt, da sie diese als zu stark vereinfachend betrachtet oder diesen vorwirft, sie würden die Patienten zu bloßen Objekten degradieren. Ansätze für alternative Modelle schlägt z.B. Daniel Brandt in seinem Text „Was ist Psychotherapie?" vor, in dem er als gemeinsame Ursache für jede psychische Störung ein Leiden an der Sinnlosigkeit des menschlichen Daseins konstatiert. Gesundheit besteht für Brandt nicht in Leidensfreiheit, sondern in der le\6ensfähigkeit; im Sinne der Kompetenz mit dem, umweigerlich über einen hereinbrechenden, Leiden umzugehen. Auch wenn Ansätze wie der von Brandt vorgestellte eine gewisse intellektuelle Eleganz besitzen, muss man sich immer wieder kritisch fragen, welche Tauglichkeit für eine klinische Praxis durch diese besteht. Hier erscheint mir nämlich, bis auf die Forderung nach einem schulübergreifenden Vorgehen, wenig gewonnen - vielmehr stellt sich die nage, ob durch zu große theoretische Abstraktion der Patient und sein Leiden zu sehr aus dem Blick gerät.

Ich halte eine Kombmation aus Gesprächstherapie, Gruppentherapie und Verhaltenstherapie in der Kombination mit Ergotherapie, Philosophischer Therapie oder femöstlichen Methoden für am sinnvollsten um einem Patienten mehr Anhaltspunkte zu verschaffen und alle erdenklichen Perspektiven für die jeweilige Genesung zu eröffnen/ zu ermöglichen. Leider ist eine so vielseitige Kombination verschiedener Maßnahmen oftmals nur im Rahmen einer stationären Therapie in einer Klinik möglich. Vielleicht ist genau dies das größte Problem der Psychotherapie: wenn nicht genug Kapazitäten zur Verfügung stehen ist der Therapieerfolg zum scheitern verurteilt. Dies könnte auch erklären, warum so viele Ressentiments gegenüber der Psychotherapie vorherrschen. Es gibt meines Erachtens nach viele Menschen die psychologische Hilfe brauchen, diese aber nicht wahr nehmen, im Gegenzug gibt es aber wahrscheinlich auch Personen die psychologische Hilfe in Anspruch nehmen, sie aber nicht wirklich brauchen oder gar zu bequem sind ihre „kleinen," alltäglichen Probleme selbst zu bewältigen. In Punkto Psychoanalyse steht unsere Gesellschaft zwischen zwei Polen: die einen scheinen Psychotherapie als eine Art Lifestyle-Muss zu betrachten, für andere wiederum scheint die Psychotherapie ein Tabu darzustellen. Geht es den emen zu gut und den anderen zu schlecht? Diese Frage ist schwer zu beantworten, dennoch glaube ich, dass es unverantwortbar wäre einem Menschen der manifeste Probleme hat mit seinem Leben klarzukommen, von einer Psychotherapie abzuraten. Selbst das Anraten zu einer Lebensphilosophischen Therapie, anstelle einer konventionellen Therapie halte ich fiir fahrlässig, wenn es sich z.B. um Formen einer Posttraumatischen Belastungsstörung, einer Persönlichkeitsstörung, einer Sucht, einer Essstörung, massiven Angstzuständen handelt oder gar akute Suizidgedanken erkennbar sind. Außerdem glaube ich, dass die Scharlatanerie bei Philosophischen Therapien ein größeres Risiko darstellt, als bei der Psychotherapie.

 

Mit einer psychischen Erkrankung liegt etwas vor, was als „Sinnstörung“ bezeichnet werden kann. Der psychisch Kranke zeigt ein Verhalten, dass nicht sinnhaft ist. Dies kann anhand der Differenz von Krankheit und Leiden verdeutlicht werden. Eine Krankheit besteht als Faktum – sie bildet das objektive Moment einer Abweichung vom Gesunden. Leiden hingegen ist das subjektive Erleben eben dieses Moments. Im Fokus der Psychotherapie steht die Heilung des Leidens als seelische Krankheit. Wenn das Leiden selbst zur Krankheit wird, kommt es gewissermaßen zu einer Dopplung: Das Erleiden des Leidens rückt in den gefühlten Fokus des psychisch Erkrankten. Es handelt sich hierbei also um „Leiden am Leiden“.

Dies gilt auch in dem Sinne, dass es sich um ein Leiden an sich selbst handelt: Der Mensch hat ein Bewusstsein vom eigenen Objektcharakter. Er weiß, dass er in einer speziellen Art des So-Seins existiert; sowohl Subjekt als auch Objekt ist. Dies kann ihn in mehrfacher Hinsicht belasten: Zum einen weiß er von einer gewissen Weise der Verfügbarkeit (und Endlichkeit) der eigenen Existenz. Darüber hinaus hat er ein Bewusstsein von der eigenen Negativität. Er ist mit jeder Möglichkeit, die er realisiert, immer auch Negation – dessen, was er nicht ergreift. Aus diesem Bewusstsein heraus besteht die Möglichkeit des Leidens am eigenen Dasein. In diesem Sinne ist eine Lebenskunst ganz wesentlich Leidensfähigkeit. Psychische Krankheit findet sich unter anderem in einem krankhaften Hineinsteigern in die Sinnlosigkeit des Leidens. Wie zuvor genannt: Das „Leiden am Leiden“ wird zur Krankheit.

 

Wegen auffälligem Verhalten wurde meiner Mutter von meiner Grundschullehrerin nahegelegt mich zur Kinderpsychologin zu schicken. Einmal die Woche beantwortete Fragen, löste Rätsel und malte eine Fuchsfamilie – ohne jegliche, bedenkliche Diagnose. Erst Jahre später redete meine Mutter mit den Eltern meiner damaligen Grundschulklasse und es kam raus, dass die gesamte Klasse zur Psychologin geschickt worden war. Aus Scham über die Abnormalität des eigenen Kindes wurde damals nur kein Wort über die Besuche verloren. Unsere Eltern kamen zu dem Entschluss, dass es wohl ein abgekartetes Spiel zwischen Lehrerin und befreundeter Kinderpsychologin war.

Was damals noch peinlich war liegt heute (schon fast) im Trend und ist, einem Artikel den ich neulich gelesen habe zur Folge unter den 100 Dingen die man in seinem Leben einmal gemacht haben muss, eine Gesprächstherapie.

ich fand es toll wie die Psychologie und psychotherapeutische methoden in diesem themengebiet kritisch hinterfragt wurden, mir brannte das eigentlich auch schon länger intuitiv unter den nageln, und der text von daniel brandt ließ dann auch schnell erkennen, dass es mit der wissenschaftlichkeit dieser diszipinen nicht weit her ist. an einer stelle fand ich seine kritik an der Psychotherapie allerdings ein wenig pauschal, wenn er schreibt, dass nur der ein wirklich guter therapeut ist, der in sich alle therapeutischen Perspektiven vereinigt, um dem Individuum ideal begegnen zu können, dann ist das nicht ein problem das alleine der Psychotherapie zukommt, genauso ist jeder gute arzt ein Spezialist (und der allgemeinarzt wohl kein Spezialist:-) auf einem bestimmten gebiet und wohl nie vereinigt ein arzt alle möglichen gebiete der medizin in seinem wissen, das hat „in der praxis" einfach nur die auswirkung, dass man als patient gezwungen ist mehrere ärzte zu konsultieren wenn man heilung, oder zumindest eine angemessene behandlung erwartet, was brandt also hier kritisiert, geht wohl noch etwas mehr an die Substanz der sache. er scheint sich an psychhotherapeutischem expertentum an sich und dem wissenschaftlichen habitus der diszipinen zu reiben, ausserdem kommt bei diesen gedanken auch wieder der gute foucault hervor, der die Psychologie als (relativ) neuen diskurs beschreibt, welcher extreme macht besitzt, indem er bestimmt was geistig und gesellschaftlich normal bzw abnormal und demnach zu behandeln ist. 

Was hat diese diskussion mit lebenskunstphilosophie zu tun? in meinen notizen zur Sitzung habe ich die phrase „lebenskunst als leidensfähigkeit" gefunden, ich weiß nicht menr an was ich mich damit erinnern wollte, finde das aber eine schöne brücke, es stimmt wohl (ganz laienhaft, aber deshalb vielleicht unbefangener und LEBENdiger als in den vielen Wissenschaften gesprochen), dass jeder in seinem leben einmal an einen punkt kommt in dem er/sie eine art geistige krise durchlebt, vielleicht interpretiere ich das falsch, oder zumindest zu oberflächlich, aber mir scheint, als will mein „geist" mir damit einfach etwas mehr aufmerksamkeit abverlangen, indem ich leide, reibe ich mich auf eine existenzielle art an meinem leben, meine krise kann zu einer Chance (ach herrje, wie das klingt) zu einer tieferen erkenntnis meiner selbst führen, in vielen fällen wäre die hilfe eines therapeuten wohl gar nicht nötig, wenn man sich nur selbst etwas besser verstehen würde, wie langweilig, wenn man über jede wunde gleich ein pflaster klebt, der körper kann sich selbst auch ganz gut heilen, und narben sehen verdammt cool aus. so als hätte man gelebt.

Das menschliche Sein enthält auch immer ein Nicht-Sein, da alles so ist wie es ist und eben nicht anders. Lebenskunst könnte bedeuten gelassen mit diesem Nicht-Sein umgehen zu können. Warum an eigener Sinnlosigkeit des Leidens leiden? Somit kann man wohl die Psychotherapie als Hilfe zur Lebenskunst ansehen.

Leben = Leiden?

Leben à Leiden? Lebenskunst = Kunst zu leiden? Oder Kunst so zu leiden, dass man nicht wirklich leidet?

Mit Sokrates auf der Couch: Philosophische Beratungspraxen

Zu Gast bei den modernen Sokratikern - Präsentation

Philosophische Kritik:

tba.

Kulturkritik:

philosophische praxis, das hört sich gut an. Philosophie ausserhalb des universitätsbetriebs, praktisch angewendet. Philosophie, die sich mit menschen und deren leben beschäftigt. natürlich besteht die gefahr, dass man den ball allzu flach hält und in einer solchen praxis ein philosophisch angehauchtes palaver stattfindet, das menschen auch in ihrer Stammkneipe führen, das muss aber gar nicht sein, was mich vielmehr wundert, ist dass sich so ganz offensichtlich leute mit einem akademischen abschluß und schlechten beruflichen aussichten ein neues feld kreiren - und dass es tatsächlich eine nachfrage gibt, es geht um geld, ganz klar, und das ist auch nicht weiter schlimm, nur welche leute besuchen eigentlich philosophische praxen? ich behaupte frech: zum großteil menschen mit viel geld und viel langeweile im leben, menschen, die unter einem existenziellen vakuum leiden, oft vielleicht sogar menschen ohne irgendwelche probleme. deshalb kann ich solche praxen nicht ernst nehmen, es geht nicht darum Philosophie als etwas lebendiges in die gesellschaft zurückzubringen, es geht vielmehr um eine gesellschaft, die sich die philosophie als nettes accesoire leistet. 

Es ist eigentlich ganz schön traurig - wenn bedacht ist - dass es Menschen gibt, die zu einer Philosophischen Lebensberatung gehen, weil sie niemanden zum Reden haben. Ist unsere Zeit so hektisch und leistungsorientiert und vor allem so kalt, dass gute und tiefgründige Gespräche auf der Strecke bleiben? Was sagt das über die Gesellschaft aus in der wir leben? Natürhch sind nicht alle Menschen vom Mangel an Gesprächspartnern betroffen. Desweiteren muss auch angemerkt werden, dass in deriei Beratungsgesprächen ja oftmals sehr artifizielle Sorgen besprochen werden. Selbstverständlich ist es wichtig, sich zu reflektieren und darüber nachzudenken, ob die Dinge in der Art und Weise so geschehen wie ich sie mir vorstelle, aber letztendlich hilft alles reden nichts, ich muss morgens m den Spiegel blicken können.

Der Mensch ist längst nicht mehr eingebettet in seine Familie, lebt nicht mehr im Mehr-Generationen- Haushalt, sondern in seinen eignen vier Wänden. Er arbeitet auch nicht mehr zusammen mit semen Eltern auf einem Bauernhof, wie es vor einigen Jahrhunderten der Fall war, sondern geht allem zu seiner Arbeit die er selbst gelernt hat. Fast schon isoliert von der Außenwelt lebt jeder sein Leben. Zwar hat man auf Facebook mindestens 150 Freunde, doch fiir ein Gespräch unter vier Augen, quasi von Angesicht zu Angesicht, hat heute kaum mehr jemand die Zeit und die Lust. Durch diese Isolation verliert der moderne Mensch das persönliche, zwischenmenschliche Gespräch und somit em wichtiges Bezugssystem zur Erhaltung des persönlichen Wohlbefindens. Doch kann dieses Dilemma nun durch den Besuch in der Philosophischen Praxis kompensiert werden, in dem ganz alltägliche Probleme eben nicht mehr mit einem guten Freund, sondem mit einer fremden Person besprochen und analysiert werden?

Im Feng-Shui-Biergarten: Spiritualität in der Lebenskunstphilosophie

Zur Soziologie der Spiritualität - Präsentation

Selbstverzauberungen...

Der rationale Blick:

Die Erfahrungsorientierung der Menschen haben diverse Trends hervorgebracht, wie z.B. der Hype des Wohlbefindens, welches in Selbsttechniken wie ,Wellness’ Ausdruck findet. Unterstützt wird dieses Konzept durch diverse Euphorien wie Ayurveda, Yoga und der vegetarische Lebensmittelkonsum, ja gar vegane Lebensweise. Und wozu soll der ganze Quatsch führen? Dass wir selbst erfahren, was das aus uns macht? Dass uns z.B. die regelmäßigen Besuche in einem Fitness-Studio sportliche Aktivität und Wohlgefühl vermitteln? Dass unsere Meridiane in den richtigen Fluss kommen durch die Vital Maxx Armbänder? Dass die Tiefenmeditationen unser Gleichgewicht wieder herstellt und uns etwas Außeralltägliches erfahren lässt? Das mag ja sein und ist auch im gewissen Maße zu unterstützen, aber was sind die Folgen dieser Trends? Was sind Langzeitfolgen veganer Ernährung? Man beachte, dass die vegane Ernährung eine Lebensart ist. Es ist das komplette Verzichten auf Fleischloses und Tierprodukten. Es ist eine Glaubensüberzeugung. Ja gar eine Religion? Und was sind die Spätfolgen? Über die möchte man gar nicht nachdenken, denn das was ausschlaggebend ist, ist das Hier und Jetzt. Die unmittelbare Erfahrung. Die Erfahrung der Transzendenz.

In der heutigen Gesellschaft spielt Individualität und der Fokus auf Selbstverwirklichung eine sehr große Rolle und diese Vielzahl an Möglichkeiten außergewöhnliche Erfahrungen machen zu können, spiegelt sich meiner Ansicht nach, in dieser Spiritualitätsentwicklung wider. Spiritualität ermöglichtht eine Ausrichtung auf das Indivuduum, da Erfahrungen subjektiven Charakter haben, gleichzeitig jedoch zudem eine Ausübung und Deutung von Erfahrungen in der Gemeinschaft. Schon der alltäglich Umgang mit anderen Menschen weist einen tranzendentalen Charakter auf, da die Gedankengänge und Gefbfühle anderer nur durch Kommunikation erschlossen werden können.

Der Selbstverzauberer:

Da die Lebenskunst eingangs als individuelle Leistung oder ein selbst erschaffenes Werk bezeichnet wurde (vgl. Wilhelm Schmid), kann man Spiritualität als praktische Ausübung einer selbigen verstehen. Das bewusste Wahrnehmen von besonderen Erfahrungen, die nicht alltäglich sind, kann Glücksgefühle und Zufriedenheit auslösen und damit Einfluss auf die eigene Lebensführung haben, weil man vielleicht bestimmte Dinge ändert oder erst recht macht, wenn man eine Große Transzendenz erlebt hat.Vielleicht ist der große Zauberspuk, der in homogenen Kreisen rund um Spiritualität praktiziert wird, für viele nicht nachvollziehbar. Aber es schadet sicher nicht, seine eigene kleine Spiritualität zu leben und in Dingen zu finden, die in unserer Lebenswelt vorkommen. Denn Glaube ist ein starkes Instrument für das Wohlbefinden der Menschen. Darum darf sich auch jeder trauen, an etwas zu glauben und ab und zu einer kleinen Selbstverzauberung zu erliegen.

Durch die individuelle Bezugnahme in Hinblick auf Transzendenz besteht außerdem die Möglichkeit, eigene Perspektiven zu finden und auszugestalten. es kann eine gewisse Selbstverzauberung herbeigeführt werden, die in eine Aufwertung des Selbst und der persönlichen Praktiken mündet und der Einordnung in das Weltganze dienlich ist. Diese individualistische Herangehensweise hat ebenfalls Auswirkungen auf die Auffassung von Glück und Erreichbarkeit: Glück macht man selbst, da es mitunter wesentlich in der Art der Sicht auf das eigene Leben besteht. 

So gesehen kann man auch etwas Transzendentales erieben, wenn man Marihuana konsumiert, sich in Askese übt oder wie wild in seinem Zimmer zu lauter Musik tanzt und singt, denn diese Erfahrungen sind so unfassbar individuell, da isoliert, dass sie einem keiner nachmachen, geschweige denn nachempfinden kann. Für mich beginnt Spiritualität auf einer ganz einfachen, philosophischen Ebene, indem ich versuche ein moralisch handelnder Mensch zu sein und mich neuen Eriebnissen öffne. Zudem war das wohl mit Abstand transzendentalste Erlebnis, dass ich je hatte, als ich mit gerade mal neun Jahren beinahe im Baltikum ertrank. Diese nennen wir es Nahtod Erfahrung habe ich gewiss nicht gesucht, doch ich habe sehr viel daraus gelernt. cn brauch weder Götter, Götzen, Dämonen, noch Tempel, dies bedeutet jedoch nicht, dass ich an Nichts glaube. Aber wie Karl Marx schon sagte: „Die Religion ist das Opium des Volkes!"

Der Zweifler:

Spiritualität als Sinnstiftung? Für viele Menschen kann diese Frage bestimmt mit Ja beantwortet werden. In Joga, Meditation oder anderen Übungen versuchen sie, zu sich selbst zu finden oder auch etwas „übermenschliches" zu erfahren. Aber ganz nachvollziehen kann ich dies momentan noch nicht. Wenn man beispielsweise zur Ruhe kommt und sich somit mit sich selbst auseinandersetzt ist das meiner Meinung nach sehr gut, aber bekommt dadurch das Leben einen Sinn? Erkennt man dadurch höhere Zusammenhänge? Oder geht es darum gar nicht? Ist der Zweck einfach nur, irgendwelche Erfahrungen zu sammeln, die man anschließend aufweiche Weise auch immer deutet?

Im Nachhinein ist bei mir allerdings die Frage entstanden, in wie fern Sport als Streben nach Adrenalin ohne Deutung eine Form der großen Transzendenz ist? Denn für mich persönlich ist gerade die Adrenalinausschüttung bei sportlicher Aktivität die Deutung schlechthin. Nur deswegen treibe ich wieder Sport, will meine Leistung toppen und immer noch mehr erreichen. Zusammenfassend denke ich, dass vielleicht eine bewusste Unterscheidung zwischen „Spiritualität früher" und „Spiritualität heute" in eine Art Postspiritualität vorgenommen werden sollte, um die innere Abwehrhaltung gegen die Begrifflichkeit aufzulösen und die negativen Konnotationen nicht weiter aufrecht zu erhalten.


Du bist Apple – Wenn Dinge und Emotionen zu philosophischen Beratern werden

Präsentation  

   

Beaudrillard`s Symbole der Dinge

 

Heidegger`s Dingwelt

 Die Faustsche Ankündigung an Mephistopheles ,,Werd ich zum Augenblicke sagen:/ Verweile doch, Du bist so schön“ ist nicht einzuhalten, denn sobald Faust der Augenblick mit seiner Schönheit gewahrgeworden ist und er das Bedürfnis hat den Augenblick festzuhalten, ist das der Moment, indem der Augenblick schon passé ist. Mit anderen Worten: ,,Im allgemeinen kann man nur das Sichtbare ,besitzen’, während das nur Hörbare mit dem Moment seiner Gegenwart auch schon vergangen ist und kein ,Eigentum’ gewährt“ (Simmel 2008, 284).

Ned übertreiben:

Ich habe mir wirklich den Kopf zerbrochen: meinetwegen trage ich die Kette um meinen Hals nur, weil sie den Eindruck meiner Persönlichkeit erweitert. Ganz klar: ich möchte gefallen, auffallen, Geschmack und Stil beweisen. Warum allerdings der Teppich auf meinem Wohnungsboden von Ikea stammt, eröffnet mir keine Möglichkeit zu einer tiefer greifenden Analyse. Wahrscheinlich, weil er günstig war und ich bei meinem Umzug bei Ikea vorbeifuhr. Er ist rosa und sämtliche Bettwäsche von mir ist rot – stilistisch ein absolutes no-go. Letztlich ist es mir aber auch egal, warum ausgerechnet dieser Ikea-Teppich auf dem Boden liegt – denn es gibt doch wirklich weitaus wichtigere Dinge im Leben, als die Erkundung der Frage, warum man bei Ikea einkauft oder warum man sich seit Generationen Nivea ins Gesicht schmiert.

Aber vor einer Allgemeinerung möchte ich mich hüten! Es gibt schließlich auch Leute, die durch ein langes Kleid ihre X-Beine verstecken wollen oder durch übertrieben viel Schmuck zeigen wollen, dass sie Geld haben. Ebenso gehen viele Menschen durch Kaufhäuser und suchen einfach nach Möbeln, die von der Größe, Farbe, Bequemlichkeit,... in ihr Haus passen und ihnen auch noch gefallen. Hier steht keinesfalls immer das Ziel im Hintergrund, sich mit diesem Möbelstück zu identifizieren. Es wäre auch viel zu anstrengend, wenn wir und mit allem, egal was wir kaufen (Möbel, Kleidung, Nahrung,...) Identifizieren können müssten. Andererseits ist es vielen Leuten vielleicht auch einfach nicht bewusst, dass sie genau dies tun.

Weils wahr is:

Schön war zu sehen, wie Jeder bei der Aussage Düllos, „dass wer so viel Ordnung und Orientierung nötig hat, nicht wirklich persönliche Entscheidungen trifft und eine einigermaßen individuelle Lebensweise findet“, sich persönlich angesprochen fühlte. Natürlich möchte sich niemand so etwas sagen lassen, weil Jeder von sich selbst behaupten würde, dass er ja so sehr individuell ist und sich selbst für diese Dinge entscheidet. Doch im Endeffekt passen sich die Meisten schon den vorgegebenen Schemas an und konsumieren Sachen die gerade „in“ sind, weil sie in sind.

Die Welt der Menschen ist eine Welt der Dinge. Und Dinge stehen auch meistens im Kontext von Besitz. „Der erste, der ein Stück Land mit einem Zaun umgab und auf den Gedanken kam zu sagen »Dies gehört mir« und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der eigentliche Begründer der bürgerlichen Gesellschaft.“So ähnlich verhält es sich auch heute noch mit dem Besitz von Dingen. Der Erste, welcher ein I-Phone kauft, ist nur der Auslöser, damit viele andere nachfolgen. Das Problem für die Konsumenten ist nur, dass Statussymbole im 21. Jhd. fast wöchentlich wechseln, neue auf den Markt kommen oder neue Versionen von bereits vorhandenen Dingen auftauchen. Aida Bosch hat es treffend formuliert als sie vom Konsum als Integrationsmechanismus spricht, welcher Zugehörigkeit schafft, die sich nicht jeder leisten kann. Das Defizit, irgendwo nicht dazugehören zu wollen oder orientierungslos zu sein, soll durch die Institution des Besitzens ausgeglichen werden. Der Konsument verkleidet oder versteckt sich hinter Marken, die er besitzt, schafft sich damit eine neue oder zumindest andere Persönlichkeit und gehört vielleicht für einen kleinen Moment zu einer Grupp von Mehrbesitzern.

Wers ned hod:

Es ist nicht neu, dass emotionale Werbespots das Kaufverhalten beeinflussen können, dass jedoch so offensiv (vgl. Werbeslogan) der Kunde als Außenseiter degradiert wird, wenn er sich das Iphone nicht anschaffen, ist jedoch noch nicht dagewesen. Gerade hier werden beim Konsument die Gefühle des Mangels und der Ausgeschlossenheit vermittelt, welchen er durch den Besitz des Gerätes entgegnen kann.

Warums nervig is:

komisch eigentlich, dass wenn man etwas kauft, man immer gleich mit rückschlüssen auf seine persönlichkeit rechnen muss, da dinge wohl so sehr mit uns verwebt sind, jedes mal wenn ich Btwas kaufe, muss ich eine entscheidung treffen (und das geht mir z.b. im kaufland vor einem regal mit hunderten verschiedener zahncremes stehend auch tierisch auf den sack!) und durch diese vermeidliche entscheidung zeichnet sich also meine persönlichkeit im produkt ab, für das ich mich entschieden habe, ich glaube aber, dass nicht jeder, der sich entscheidet einen 5er bmw zu kaufen ein neureicher bauernfünfer ist, sondern es kann auch eine familie sein die gerne camping urlaub macht und ein „kräftiges" auto braucht um ihren Wohnwagen zu ziehen.andererseits ist wohl auch nicht jeder, der sich für ein kleines, sparsames auto entscheideit besonders umweltbewusst und bodenständig orientiert, sondern kann in Wahrheit ein richtig prolliges arschloch sein, das sich eine geile karre schlicht nicht leisten kann.

Am Beispiel des Schmucks und von IKEA wurde aufgezeigt, das zum einen Dinge als etwas dienen können, was das Sein des Tragenden unterstreicht und vermittelt (Schmuck), wohingegen andere Dinge auch erst Persönlichkeit konstituieren (IKEA). Dies bedeutet natürlich nicht, dass eine Kette nicht auch sinnstiftend sein kann oder bei IKEA nur Orientierungslose einkaufen. Bei diesem Punkt entstand eine interessante Diskussion, da ich besonders bei mir eine defensive Einstellung bemerkte, nach dem Motto „Aber ich kaufe doch auch bei 'KEA ein und bin nicht auf Persönlichkeits- und Sinnsuche!". Auf die Frage von Rainer, warum das so sei, konnte ich direkt auch keine Antwort finden. Ich glaube, der Individualitätsdruck der Gesellschaft ist einfach so groß, dass man es generell ablehnt, sich als einen der Tausenden von Konsumlemmingen zu sehen, die eine massenproduzierte Ware kaufen und sich trotzdem als originell und individuell verstehen. Gerade in Studentenkreisen wird der „Mainstream" ja verteufelt. Ob sich dieser Trend mit dem Älterwerden etwas abschwächt, wird sich zeigen.

Ökologische Lebenskunst – Grünes Leben gleich gutes Leben?

Gebet an den Planeten

Man kann dem Trend der Ökologie tatsächlich nicht mehr entweichen, zumindest in Deutschland. Jedes Unternehmen wirbt mit Nachhaltigkeit und „grüner" Einstellung, wobei sie meiner Meinung nach häufig nur an das schlechte Gewissen der Konsumenten appellleren. Wie eine der Referenten zugab, wenn sie im Supermarkt vor der Fleischtheke steht, hat sie ein mulmiges Gefühl wenn sie nicht-ökologisches Fleisch kauft. So werden auch den meisten Anderen (mich eingeschlossen) vermutlich einige der grausamen Bilder "in'den Kopf kommen, die"man"aus Greenpeace-Kampagnen oder Dokumentationen über Essensherstellung kennt: leidende Hennen, Kühe oder sonstige niedliche Tiere, die gequält werden. Da entscheidet man sich doch lieber für das gute Biofleisch für den dreifachen Preis, das einem aber immerhin ein reines Gewissen beschert.

Da stellt sich unwillkürlich die Frage: Wenn ein "gesunde", auf Sicherheit ausgerichtete Lebensführung, offensichtlich Gefahr – in Form von Krankheiten oder gar Tod – birgt, welchen Sinn hat dann überhaupt noch solch ein "grüner" Lebenswandel? Greift er gar ins Leere?

Ich stelle mir jedoch auch eine andere Frage: Denken Menschen wirklich, dadurch, dass sie Bio-Lebensmittel kaufen, verbessern sie die Welt? Können sie in der Tat glauben, dass dann die schrecklichen Tierhaltungen eingestellt werden? Oder wollen diese Menschen sich durch ihr Umschwenken auf Bio lediglich ein besseres Gewissen machen? Funktioniert das? Jedenfalls ändert sich nichts an der Welt, nur weil man sein eigenes Verhalten umstellt und dadurch auch noch meint, Gutes zu tun.

Und gab es nicht eine Studie aus den USA, dass sich Menschen die biologische Lebensmittel einkaufen gegenüber ihren Mitmenschen ekliger verhalten? Schließlich haben sie im Gegensatz zu den Anderen schon etwas „Gutes" getan und können somit auf die Anderen herabsehen? Lustig ist dies vor allem, wenn ein kleiner Beobachtungsnachmittag am Biosupermarkt eingelegt wird. Tja, dreimal darf geraten werden in welchen Automobilen die „Besser-Menschen" vorfahren? Richtig in einem überdimensionierten Spritschlucker - auch SUV genannt. Meist reisen sie auch aus weiter entfemten Gebieten an, was sind schon zweihundert Kilometer für einen Bioapfel?

Wie eben schon erwähnt, es gibt überall schwarze Schafe und Ausreißer, wenn es um den finanziellen Profit geht und der ist auch in der Lebensmittelbranche meist das einzige, was zählt. Aber bevor man sich in endlos-Diskussionen über Bio und Konventicionell verliert sollte man vielleicht einmal darüber nachdenken, ob man wirklich 7 Tage die Woche ein Stück Fleisch essen muss. Daran muss eher angesetzt werden, nämlich an dem Bewusstsein der Menschen, WAS sie essen und vor allem, woher das Essen kommt.

Den Zusammenhang von Marktwirtschaft, Unwissenheit und ökologischen Lebensstil hat der Film über Palmölproduktion für einen ökologischen Schokoaufstrich deutlich gemacht. In einer ftmktional differenzierten Gesellschaft arbeiten alle Systembereiche selbstgenügsam und autonom. Ich bin Kunde, und versorge mich am Warenmarkt. Unter Bedingungen der globalisierten Ökonomie ist ein vollständiger Informationsfluss über die Bedingungen der Produktion nicht mal ansatzweise möglich. Und selbst wenn er möglich wäre, ließe sich über die Interpretation vortrefflich streiten. Fakt ist, dass die ökonomische Macht der gebildeten, besser verdienenden, Biomittelschicht Auswirkungen auf die Lebensbedingungen von Menschen in Südamerika hat und dies ganz unabhängig davon, wie viele Feelgood-Labels auf dem Glas Schokoaufstrich kleben. Letztendlich ist der ganze Wohlfühlmehrwert, der die derzeitige Konsumwelt durchweht, nichts anderes als ein - relativ billiger - Ablasshandel, der insbesondere die Mittelschicht entlastet. Und es lässt sich ja auch daraus Distinktionsgewinn schlagen, wenn ich von München mit meinem Porsche Cayenne Hybrid aufs Land zu den Herrmansdorfer Landwerkstätten fahre und ein authentisches garantiert biologisch und ökologisch unbedenkliches Stück Schweinefleisch kaufe. Dem müsste man die Ökobilanz eines Hartz IV Empfangers entgegenhalten, der zum Aldi radelt, um sich mit Billigwurst einzudecken.

Horizonte soziologischer Praxen: Soziologie als Lebenskunstphilosophie einer kosmopolitischen Moderne?

Präsentation

 

 

Ein herzliches und großes Dankeschön an die Kursteilnehmer, deren Ideen und Mitarbeit diesen blog ermöglicht haben!