Soziologische Beratung - Was ist das?

Die soziologische Beratung versteht sich als ein Konzept, in dem Theorien und Methoden der Soziologie zu Handlungspraxen auf Ihre Bedürfnisse und Anliegen zugeschnitten werden. Dahinter steht die Idee, die Soziologie außerhalb der Universität nutzbar zu machen und von der theoretischen auf die praktische Ebene zu überführen. In der soziologischen Beratung werden Problemlagen eruiert und konkrete Lösungsstrategien konzipiert.

Den theoretischen Hintergrund bilden die Theorie der Reflexiven Modernisierung mit den Schwerpunkten der Unsicherheiten, des Nicht-Wissens, der Individualisierung (Ulrich Beck), die Akteur-Netzwerk-Theorie (Bruno Latour) sowie die Philosophien von Gilles Deleuze und Friedrich Nietzsche.   

Beratung heißt:

Förderung der Ressourcen und Potentiale im gemeinsamen Dialog mithilfe einer soziologischen Anamnese und Konzeptualisierung.

Beratung heißt:

Unterstützung, um seine eigenen Grenzen zu erkennen, Ideen zu diskutieren und Visionen zu entwickeln

Zielgruppe:

Die Beratung richtet sich an Privatpersonen sowie an Unternehmen und Institutionen.

Personal Support

Company Support

Political Support 

 

Zur Idee der Soziologischen Praxis

Da die Idee einer Soziologischen Praxis als Beratungsform noch kaum öffentlich diskutiert und bekannt ist, finden Sie hier einen kurzen Exkurs zur Motivation und dem Hintergrund.

Das Image der Soziologie als theoretische Wissenschaft

Das Image der Soziologie in der breiten Öffentlichkeit kann allgemein und zugespitzt formuliert als eher negativ bis unbekannt definiert werden. Vor allem die immer wiederkehrenden Fragen, was Soziologen eigentlich machen und wofür man Soziologie braucht, zeugen davon, dass die öffentliche Darstellung erhebliche Mängel aufzeigt und der Einfluss auf die praktische Gestaltung der Gesellschaft durch die Soziologie kaum vorhanden ist.

Trotz der Bemühungen prominenter Aushängeschilder wie Theodor W. Adorno, Jürgen Habermas, Niklas Luhmann oder Ulrich Beck ist es der Soziologie noch nicht gelungen, sich als eine Wissenschaft zu etablieren, die einerseits ihren theoretischen Auftrag erfüllt und andererseits die Ergebnisse der theoretischen Forschung für die Öffentlichkeit nutzbar macht. Zudem leidet die Soziologie noch immer unter den beinahe klassischen Zuschreibungen einer eher linksgerichteten und im Elfenbeinturm verharrenden Wissenschaft, die mitunter fernab der Realität Diskurse provoziert, bei selbst bei bestem Willen des Verstehens massives Kopschütteln verursachen. 

Lediglich in den Bereichen der Organisations- und Marktforschung konnte sich die Soziologie bislang als praktische Beratung etablieren, allerdings mit der Einschränkung der entweder quantitativen Ausrichtung zur Datenerhebung oder systemtheoretischen Analysen über Kommunikationsformen und Organisationsabläufe.

Was somit fehlt ist eine klare Formulierung, worin die praktische Ausrichtung liegen und mit welchen Mitteln diese realisiert werden kann. Denn richtig ist auch: die Soziologie bietet weit mehr als theoretische Diskurse im Elfenbeinturm, verstaubte Plattitüden zum Mainstreaming, brotlose Schreibkunst im Feuilleton, Fragebögen oder Statistiken für die Marktforschung.  

Zum praktischen Nutzen der Soziologie

Die wachsenden Komplexitäten der Welt, denen sich der Einzelne, Firmen und Institutionen stellen müssen, sind mittlerweile das größte Forschungsfeld innerhalb der Soziologie: Globalisierung, Individualisierung, Auflösung von Strukturen, Werten, Normen, Säkularisierung, Technisierung, persönliche Sinnfindung und Traditionsverlust sind die Prozesse, die jeden individuell konfrontieren und Probleme generieren, denen man sich oftmals ratlos gegenüber sieht. Unsicherheit regiert das Handeln, Risikokonstruktion überlageren kreatives, visionäres oder positives Denken, das Nicht-Wissen wächst mit jeder google-Suche im Internet. Dass sich die Soziologie diesen Problemlagen noch kaum praktisch und auf individueller Ebene beratend angenommen hat, verwundert daher um so mehr, denn in der Wissenschaft werden diese Felder bis ins Detail beschrieben, analysiert und eruiert. Was einzig fehlt ist die Übersetzung in Handlungspraxen, wie es die Psychologie, die Wirtschaftswissenschaften und mittlerweile auch die Philosophie bereits realisieren.   

Der Anspruch der Soziologischen Praxis leitet sich aus diesem Mangel ab, indem die Betrachtungsformeln aus der Wissenschaft auf die individuellen Problemlagen angewendet werden. Sowohl für das Individuum wie für Unternehmen und Institutionen kann der soziologische Blick eine Diagnostik sein, mit der die verschiedenen Einflüße auf den jeweiligen Akteur sichtbar gemacht werden können, um darauf basierend die Probleme zu identifizieren und Lösungsstrategien zu entwicklen. Das grundsätzliche Prinzip ist hierbei der Blick auf das Ganze im Sinne einer Sozialanamnese, bei der mit verschiedenen Theorien der Soziologie versucht wird, die Komplexitäten der jeweiligen Lebenswelt zum einen erklärbar zu machen (was oftmals bereits der erste Schritt einer Problelösung ist), zum anderen eine Weitsicht zu eröffnen, wo neue Handlungsspielräume im gesellschaftlichen/persönlichen Umfeld liegen könnten.

Theoretische Grundlagen

Darunter summieren sich die Theorien der Soziologie und Philosophie, mit deren Hilfe die Probleme und Situationen des Klienten erfasst werden können. In erster Linie sind dies die Theorie der Reflexiven Moderne (Ulrich Beck/Anthony Giddens) und daran anschliessende Zeitdiagnosen (Peter Gross, Jean-Claude Kaufmann, Zygmunt Bauman, Michael Schillmeier, Hubert Knoblauch, Hans Joas) sowie die Soziologie der Übersetzungen (bekannt als Aktuer-Netzwerk-Theorie) nach Bruno Latour. Aus der Philosophie werden vor allem die Lebensphilosophen wie Nietzsche, Epikur, Seneca, Gilles Deleuze oder Georg Simmel in die Beratungen integriert.

Methodische Grundlage

Wissenschaftstheoretisch entspricht dieses Vorgehen einer ethnographischen Rekonstruktion von Lebenswelten (nach Harold Garfinkel), mit der durch Befragung, Beobachtung und/oder Teilnahme der jeweilige Akteur in seinem Umfeld betrachtet und dahin gehend Lösungen entwickelt werden. Die theoretischen Hintergründe bilden der symbolische Interaktionismus sowie der Sozialkonstruktivismus. Der Prozess der Rekonstruktion erfolgt dabei in verschiedenen Stufen, deren Fundament in der Methodologie der Akteur-Netzwerk-Theorie liegt. Die Prinzipien der Analyse sind: 

- Holistische Inklusion

- Universale Exklusion

- Radikale Integration

- Prozessuale Sozialität

- Objektive Immanenz

Die Beratung orientiert sich an diesen Prinzipien und versucht in 5 Schritten, zu einer Lösungsformel zu kommen. 

1. Deskription

2. Thematischer Vergleich

3. Konzeptualisierung

4. Generalisierung

5. Lösungsgenerierung

Der Anwendungsbereich einer Soziologischen Praxis unterliegt somit grundsätzlich keiner Beschränkung, es bedingt sich aber aufgrund des persönlichen Fachwissens durch den Soziologen, sich auf bestimmte Felder zu beschränken, um eine tiefgreifende Diagnostik durchführen und konkrete Lösungen erarbeiten zu können.